Methoden zur Produktbewertung

Die baubook professionell-Bewertung:

Eine zentrale Funktion von baubook professionell ist die Darstellung aller Produkte einer Produktgruppe entsprechend der baubook professionell-Bewertung. Produkte sind in den Produktgruppen anhand ihrer Umwelt- und Gesundheitseigenschaften gereiht, zusätzlich wird durch Symbole das Bewertungsergebnis in einzelnen Kategorien ausgegeben: von der grün hinterlegten Kategorie A bis zur rot hinterlegten Kategorie E. In der Detailsansicht des Produktes werden weitere Informationen zu der Bewertung ausgegeben.

Die Bewertung ist dabei immer relativ in Bezug auf die jeweils anderen Produkte der Produktgruppe zu verstehen. So ist es möglich, das jeweils am besten geeignete Produkt für eine bestimmte Anwendung zu ermitteln. Da ein Produkt auch mehreren Produktgruppen zugeordnet sein kann, ist es möglich, dass die Bewertung und Reihung eines Produktes in Abhängigkeit von der betrachteten Produktgruppe unterschiedlich ausfällt.

Auf Grund der unterschiedlichen Beschaffenheit und Datenverfügbarkeit werden in baubook professionell Baustoffe (Fertigwaren) wie z.B. Bodenbeläge nach einer anderen Methode bewertet als Bauchemikalien (Zubereitungen) wie z. B. Bodenkleber.

Die Bewertung von Baustoffen:

Für eine Reihung von Produkten wurden dem Lebenszyklus gemäß die drei Bereiche Herstellung, Raumluft und Entsorgung herangezogen. Innerhalb dieser Bereiche werden jeweils 3 oder 4 Kriterien bewertet. Das fünfstufige Ergebnis wird wie bei einer Ampel in den Farben grün für positiv bis dunkelrot für negativ bzw. von A bis E dargestellt.
Über die Detailansicht eines Produktes können die zugrundeliegenden Kriterien und ihre Bewertung abgerufen werden. So sorgt dieses System für den Spagat zwischen differenzierter Darstellung und überschaubarer Beurteilung. Dass bei beiden Seiten Kompromisse eingegangen wurden, kommt einer möglichst großen Benutzungsfreundlichkeit zugute.

Herstellung:
Aus den ökologischen Kennwerten Primärenergiebedarf (PEI), Versauerungspotenzial (AP), Treibhauspotenzial (GWP) und Ozonbildungspotenzial (POCP) wird eine Gesamtbewertung für den Bereich „Herstellung“ gebildet.

Raumluft
:
Beruhend auf dem Projekt SIBAT, wo toxikologische Einstufungen von Innenraummaterialien in einem ExpertInnengremium erarbeitet wurden, werden CMR-Stoffe – also solche, die krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend sind –, reizende Wirkungen und Einzelsubstanzen eingeschätzt.

Entsorgung:

Angenommen wird die jeweils best mögliche Entsorgungsart für die Kategorien Trennung, Recycling und Entsorgung, gewichtet mit der Lebensdauer. Durchschnittliche Lebensdauern werden dem Nutzungsdauerkatalog des österreichischen Hauptverbandes der Gerichtssachverständigen entnommen.

 

Die Bewertung von Bauchemikalien:

Auf der Basis der Risiken der im Produkt enthaltenen Stoffe werden vier verschiedene Gefährdungsindices für jedes Produkt errechnet:


Anwendergefährdung Atmung:
Bewertet das Risiko für den Produktanwender durch Einatmen von Gefahrstoffen und mögliche Wirkungen auf das Atmungssystem.

Anwendergefährdung Körperkontakt:
Bewertet das Risiko für den Produktanwender bei Kontakt mit Haut oder Augen.


Nutzergefährdung:
Bewertet das vom Produkt ausgehende Risiko für WohnungsnutzerInnen, also den möglichen Einfluss auf die Innenraumluftqualität.


Umweltgefährdung:
Bewertet die wichtigsten vom Produkt ausgehenden Risiken für die Umwelt.


Alle vier Indices werden auf der Basis der Risiken der Inhaltsstoffe und deren Konzentrationsanteilen berechnet. Grundlage sind die R-Sätze der Stoffe, das sind gesetzlich vorgeschriebene Hinweise, die auf der Stoffverpackung auf die spezifisch gefährlichen Eigenschaften hinweisen.

Beispiele für R-Sätze sind etwa "Gesundheitsschädlich beim Einatmen und Verschlucken“, "Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich", "Kann Krebs erzeugen" etc.

Für die ixbau-Bewertung werden jedem dieser R-Sätze und in Folge jedem Stoff vier verschiedene Gefährdungszahlen zugeordnet, die umso höher sind, je gravierender das Risiko einzustufen ist.
Die nach Berücksichtigung aller R-Sätze errechneten Gefährdungszahlen eines Stoffes werden mit seinem Prozentanteil im Produkt multipliziert, die Gesamtsummen ergeben den jeweiligen Gefährdungsindex.

Atmung: Hier werden nur flüchtige Stoffe und alle Wirkungen betrachtet, die bei Einatmen entstehen oder das Atmungssystem schädigen können.

Körperkontakt: Dabei werden alle Stoffe und jene Wirkungen betrachtet, die bei Kontakt mit der Körperoberfläche (Haut und Augen) auftreten können, zum Beispiel durch versehentliches Verspritzen des Produkts.

Nutzergefährdung: Berücksichtigt werden hier nur die sogenannten hochsiedenden Stoffe betrachtet, die wegen ihres Verdunstungsverhaltens lange Zeit die Innenraumluft belasten können, es werden dafür aber alle möglichen gesundheitlichen Wirkungen (Atmung, Körperkontakt, Verschlucken) mitberücksichtigt. Stoffe, die während oder unmittelbar nach der Anwendung wegreagieren und somit nicht mehr gefährlich sind, werden nicht mehr berücksichtigt.

Umweltgefährdung: Zusätzlich zu den umweltbezogenen R-Sätzen der Inhaltsstoffe werden auf der Basis von Stoffeigenschaften zwei zusätzliche „künstliche“ R-Sätze errechnet: einer „bestraft“ klimatoxische Stoffe, der andere Stoffe, die zur Bildung von bodennahem Ozon beitragen können (also v.a. Lösungsmittel).

Die Gefährdungsindices werden – um keine übertriebene Genauigkeit der Bewertung vorzugaukeln – nicht genau wiedergegeben. Vielmehr wird die jeweils errechnete Größenordnung in Form der durch die Buchstaben A bis E dargestellten Gefährdungskategorien angezeigt.

Verwendet werden die Indices allerdings bei der Reihung der Produkte, wobei Anwendergefährdung, Nutzergefährdung und Umweltgefährdung als gleichrangige Risiken eingestuft und somit zu je einem Drittel berücksichtigt werden. Dies bedeutet, dass der Anwendergefährdungsindex Atmung und der Anwendergefährdungsindex Körperkontakt nur je halb so stark berücksicht werden wie die beiden anderen Indices.

Die Bewertungsmethode für Bauchemikalien im Detail (pdf, 700kB)
Anhang im Format A1 (pdf, 3400kB)

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